2. Argumentation aus topographisch-historischer Sicht Der Hof Huggenberg liegt, von Elgg aus gesehen, zu dessen Kirchgemeinde er immer gehört hat, mit fast 5 km Wegstrecke relativ weit weg vom Dorf - am äußersten südöstlichen Rande der Kirchgemeindegrenzen, 1 km weiter weg als Geretswil, das wohl im 8.Jahrhundert entstanden sein dürfte, - vielleicht eher gegen Ende des 8.Jahrhunderts, bedenkt man, daß Geretswil doch einigermaßen abseits und recht hoch im bergigen Gelände liegt, also sich erst dann zur Besiedelung anbot, als flacheres und näher an den bereits bewohnten Höfen liegendes Gelände nicht mehr zur Verfügung stand. Wenn nun die Rodung der Huggenberg-Flächen von Richtung Geretswil aus durchgeführt wurde, was ein Blick auf die topographische Karte nahelegt, so ist Huggenberg sicherlich später entstanden als Geretswil, also nach dem 8.Jh. Kommt man als Wanderer aus Richtung Elgg über Geretswil nach Huggenberg, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, hier am Ende des Berges angekommen zu sein. In der Tat ist ja auch die Straße, die in den Ort hineinführt, eine Sackgasse.

Topographisch gesehen ist die Lage des Hofes Huggenberg (714 m über dem Meer) und seiner Felder und Wiesen derjenigen des Nachbargehöfts Geretswil (745 m) ähnlich, insofern, als es sich um eine leichte Hanglage oberhalb eines Tobelbaches, umkränzt von Wald, handelt - ein Ansiedlungsgrund für viele -wil-Orte im 8.Jh. Wesentlicher Unterschied: Huggenberg ist der äußerste Vorposten auf diesem Bergrücken; unmittelbar dahinter fällt das Gelände von Osten bis Süden steil über 100m ab, zu steil um von Richtung Turbenthal/Bichelsee aus mühselig für eine frühe Rodung des Berges überwunden worden zu sein. Allein aus diesem Grunde ist die Anlage der Siedlung Huggenberg nur im Anschluß an den Ausbau von Geretswil denkbar, also erst nach dem 8.Jahrhundert.4

Die erste urkundliche Nennung5 des Hofes im Jahre 1278 erfolgte aber mit Sicherheit erst lange nach der Rodung. Damals wurden die Zehnteneinkünfte des Hofes, die Eberhart von Bichelsee sicher schon länger zu Lehen hatte, an das Kloster Tänikon übertragen. Eberhard von Bichelsee hatte diese Zehnteneinkünfte vom Abt von St.Gallen verliehen bekommen, war also auch nicht derjenige, der dort gerodet hatte. Bewohnt und genutzt wurde der Hof zu dieser Zeit wahrscheinlich von demselben Beringer (von Huggenberg), der zehn Jahre später erstmals urkundlich erwähnt wird.6 Man darf also mit großer Sicherheit annehmen, daß der Hof Huggenberg schon längere Zeit vorher bestanden hatte, nach dem bisher Gesagten also etwa zwischen dem 9. und 12.Jh. angelegt worden sein muß.

(Fortsetzung: Argumentation aus burgengeschichtlicher Sicht)