Friedrich F. Hüttenberger

DIE WESTPFÄLZER GILCHER (GÜLCHER/GILGER)

Verbreitung und Genese des Familiennamens Gilcher

1. Vorkommen, Verbreitung in der Westpfalz

In der Westpfalz, im Raum Kusel-Lauterecken-Kaiserslautern, vor allem im Essweiler Tal, haben sich im 18. und 19. Jahrhundert Gilcher-Familien stark verbreitet. Sie sind schon mindestens seit Ende des 16.Jh. in Liebsthal/Wahnwegen ansässig gewesen und seit Anfang des 17.Jh. dort nachweisbar. Einen deutlichen Schwerpunkt haben die Gilcher im 18.Jh. in der Gemeinde Horschbach und von da ausgehend auch in den Gemeinden Nerzweiler, Aschbach, Essweiler, Oberalben, Körborn, Ruthweiler und Ehweiler. Viele andere Gemeinden kamen im 19. Jh. hinzu: Friedelhausen, Hachenbach, Ulmet, Dennweiler-Frohnbach, Thallichtenberg, Wahnwegen, Rathsweiler, Diedelkopf, Kusel, Rammelsbach, Hinzweiler, Oberweiler i.T., Bosenbach, Patersbach, Schellweiler, Wiesweiler, Berschweiler, Lohnweiler, Lauterecken, Sulzhof, Roßbach, Einöllen, Seelen.

Heutige Schwerpunkte der Gilcher in diesem Raum liegen immer noch in Essweiler, Oberalben, Körborn, Kusel und schließlich in Kaiserslautern infolge der Landflucht und des allgemeinen Trends hin zur Stadt und zu der sich entwickelnden Industrie des 19. Jahrhunderts.

2. Bedeutung des Namens

Der Familienname war beim ersten Auftauchen in der Westpfalz vor dem 30-jährigen Krieg zunächst ausschließlich Gülcher, erst später, ab etwa 1800, entwickelte er sich generell zu Gilcher. Er wurde bisweilen auch in der Form "Gülger" oder "Gilger" geschrieben.

Es ist inzwischen gesicherte Erkenntnis, daß sich dieser Familienname von dem Ortsnamen Jülich ableitet, wobei sowohl an die Stadt Jülich selbst als topographischen Bezug gedacht werden kann als auch an die Markgrafschaft (das spätere Herzogtum) Jülich.

Im Deutschen Familiennamenlexikon dagegen erklärt Hans Bahlow den Namen pauschal als Patronym von Ägidius = Gilles (Gilg, Gilch, daraus Gilcher).(1) Jedoch allein schon wegen des ursprünglich in allen Dokumenten durchgehend vorhandenen Umlauts "ü" in einem Sprachgebiet, in dem der Umlaut immer durch den einfachen Laut "i" ersetzt wird, ist die Deutung nach dem Ortsnamen schlüssiger, zumindest für die hier betrachtete Gülcher-Sippe aus dem Essweiler Tal. Eine Lautentwicklung von "i" wie in Ägidius/Gilg zu "ü" (Gülcher) und zurück zu "i" (Gilcher) ist schlichtweg undenkbar für den Kenner der pfälzischen Aussprachegewohnheiten, auch von den Lautgesetzen der deutschen Sprache her nicht möglich. Gesicherte Erkenntnisse über die Herkunft und Entwicklung von Familiennamen lassen sich am besten durch familiengeschichtliche Erforschung gewinnen.

Im Kirchenbuch der reformierten Gemeinde von Hinzweiler, in dem die ersten Eintragungen der Horschbacher Gülcher festgehalten sind, findet sich ein deutliches Indiz für die Synonymität von Gülcher mit Jül(i)cher: dort heiratet am 29.10.1667 ein Johannes, Sohn von Bernhardt Ohmbach "aus dem Gülcherlandt, itzig Schäffer zu St.Julian". Mit dem "Gülcherlandt" ist zweifellos das Jülicher Land, also das ehemalige Herzogtum Jülich gemeint,- ähnlich verkürzt sagte und schrieb man ja auch "Zürcher" statt Züricher Gebiet. Die Gülcher, die gerade in diesem Kirchenbuch von Hinzweiler so häufig eingetragen sind, kommen letztlich aus dem "Gülcherlandt".(2)

Der Beweis kann auch angetreten werden durch die Betrachtung der aus Kriegsfeld eingewanderten Mauchenheimer Gülcher-Sippe, die sich dort seit 1594 entwickelte. Im reformierten Kirchenbuch von Mauchenheim lauten die ersten Eintragungen noch auf die Namensform "Gülicher" und "Gülich". Sogar die Form "Jülich", also absolut gleichlautend mit dem Ortsnamen der ursprünglichen Herkunft, kommt direkt als solche vor. "G" und "J" wurden damals noch häufig synonym verwendet; man denke z.B. an den Vornamen "Jörg", der ebenso als "Görg (Georg)" geschrieben wurde, oder auch daran, daß die Stadt Jülich bis ca. Ende 18.Jh. noch Gülich geschrieben wurde, wie das Stadtarchiv von Jülich mitteilt. Im 16. und 17. Jahrhundert war es durchaus noch gängig, bei Herkunftsnamen nach Orten, die üblicherweise auf -er enden, das -er wegzulassen und den Mann direkt mit dem Namen des Ortes zu belegen. So konnte ein Fremder, der aus Jülich kam, sowohl mit "Jülicher"(Gülicher) als auch mit "Jülich"(Gülich) bezeichnet werden. Auch bei meinem eigenen Namen, einem gut dokumentierten Herkunftsnamen, bestanden bis weit ins 17.Jh. hinein noch die Formen "Huggenberger" und Huggenberg" nebeneinander. Erst spät im 18.Jh. verfestigten sich die Formen so, daß eine Familie auf Dauer den Namen ohne die Nachsilbe -er führen konnte, während andere, verwandte Familien an andren Orten ihre Herkunftsendung -er behielten. In Mauchenheim hatten die Gülicher zunächst noch das "i" in ihrem Namen, verloren dieses aber im Laufe des 17.Jh. Die Schreibweise wandelte sich dann in "Gülcher" (Hauptform) mit den Nebenformen "Gülch" und "Gülger". Noch heute gibt es in der Alzeyer Gegend (vor allem in Eppelsheim/Rheinhessen, dort mindestens seit 1691)3 die mit "ü" geschriebenen Gülcher- Familien, die den typisch westpfälzischen Wandel des Umlauts von "ü" zu "i" nicht mitgemacht haben.

Weitere Unterstützung erhält die Deutung des FN Gilcher als Herkunftsbezeichnung von der Stadt bzw. Landschaft Jülich durch die Kirchenbucheintragungen zu einem weiteren pfälzischen Gülcher-Zweig, nämlich in Godramstein: dort gibt es im 17.Jahrhundert auch die Namensform "Gülcher" als Hauptschreibweise mit der Nebenform "Gilger/Gilcher", aber auch die Varianten "Gülch" und "Gülich" sowie "Jülch" und "Jülich", womit wir auch hier wieder exakt beim Namen der letztendlichen Herkunftsstadt gelandet wären.

Inzwischen ist ein Gülcher-Kirchenbucheintrag entdeckt worden, in dem direkt die Herkunft des betreffenden Namensträgers aus dem Raum Jülich dokumentiert ist: in Osthofen (ref.Kb.) heiratet unter dem 20.07.1675 "Peter, Sohn von Jann Gülicher, Gemeinsmann zu Melik aus dem Amt Wassenberg, Jülicher Lands" eine Maria Eva Schneider aus Bermersheim (4). Dieser Fund untermauert ganz massiv die Deutung des Namens als Herkunftsbezeichnung, auch wenn nun dieser Peter Gülicher nicht unmittelbar mit dem Westpfälzer Gilcher-Zweig verwandt ist. Charakteristisch für diese spätere Zuwanderung in die Pfalz ist es, daß sich im Amt Wassenberg, also in der Nähe von Jülich, wohl gerade wegen dieser Nähe, das "i" im Namen noch länger gehalten hat und der Name so in die Pfalz gekommen ist zu einem Zeitpunkt, da die schon früher eingewanderten Gülcher ihr "i" bereits verloren und damit den ersten Schritt zum Vergessen ihrer Herkunft getan hatten.

3. Die ersten Gülcher im Raum Kusel (Liebsthal)

Die frühesten Kirchenbucheinträge der westpfälzer Gülcher finden sich im Kirchenbuch der reformierten Gemeinde Kusel im Jahre 1610: die Taufe von Job Gülchers Tochter Christina in Eisenbach und dann weitere Taufen in den Folgejahren. Ab 1615 kommen dann Taufen von Nickel Gülchers Kindern in Wahnwegen hinzu. Offenbar mußte es sich um Brüder handeln, denn es gab eine gegenseitige Patenschaft, die Orte lagen nicht weit voneinander entfernt im selben Kirchensprengel und der Name war vorher noch nicht im Kuseler Kirchenbuch vorgekommen. Die Frage stellt sich, von wo die beiden Gülcher gekommen waren.

Ganz in der Nähe war der Name Gülcher für das Jahr 1610 bereits für den Ort Liebsthal belegt. Dort mußte eine gewisse Appolonia, Witwe des Peter Gülcher nach dessen Tod das Besthaupt an den Landesherrn abgeben, d.h. eine Art Erbschaftssteuer entrichten.(5) Nun liegt Liebsthal etwa in der Mitte zwischen Wahnwegen und Eisenbach. Also lag der Gedanke nahe, daß die beiden Gülcher-Familien von daher gekommen waren und der verstorbene Peter Gülcher ihr Vater war. Aber es gibt keine Kirchenbücher aus dieser Zeit von Konken, wohin die reformierten Familien von Liebsthal gepfarrt waren, so daß diese Vermutung zunächst unbewiesen blieb. Jedoch gab es von dieser Pfarrei ein Kirchenvisitationsprotokoll aus dem Jahre 1609, das inzwischen zwar verschollen ist, das aber vor dem 2.Weltkrieg bearbeitet worden war und in einer gedruckten englischen Fassung existiert. Dort finden sich für Liebsthal lediglich fünf reformierte Familien und eine davon ist folgendermaßen eingetragen:

"p. 199 verso : Hoff Liebenstall"

... 5. Appellonia, Peter's widow, 6 orphans:

Nickel, Job, Wilhelm, Clos, Maria, Catharina."

Wenn auch der Familienname nicht erwähnt (oder evtl. auch nicht exzerpiert worden) ist, sind die Vornamen in dieser Konstellation zusammen mit dem oben erwähnten Besthaupt-Dokument eindeutig Beleg dafür, daß Nickel und Job Gülcher tatsächlich aus Liebsthal kamen und Brüder waren. Die Reihenfolge, in der die Kinder genannt sind, entspricht dem Alter. So ist das in diesem Visitationsprotokoll immer gehandhabt worden, auch wenn für den Ort Liebsthal die genauen Altersangaben leider fehlen. Nickel war also der älteste, Job der zweitälteste der Gülcher-Söhne. Da Job bereits im April 1610 in Eisenbach seine erste Kindstaufe feiert, aber für 1609 noch im elterlichen Familienverband erwähnt ist, muß das Visitationsprotokoll wohl den Stand von 1608 oder Jahresanfang 1609 repräsentieren und Job mag wohl gegen Jahresmitte 1609 geheiratet haben und nach Eisenbach umgezogen sein. Er dürfte Anfang/Mitte 20 gewesen sein, also um 1582/88 geboren. Da Jobs Frau Kinder hatte von 1610 bis 1624 ergibt sich für sie als rechnerisch möglicher Geburtszeitraum die Spanne von 1582 bis 92, wahrscheinlich jedoch um 1590 ( = Heirat mit 19). Nickel war einige Jahre älter, also vielleicht Mitte/Ende 20.

Nickel Gülcher hat sehr wahrscheinlich die Arbeit des Vaters nach dessen Tod übernommen und die Familie bei Mithilfe der jüngeren Geschwister versorgt und ist erst dann -schon verheiratet - aus Liebsthal weggezogen (1614/15), als einer der jüngeren Brüder, Wilhelm oder Clos, soweit war, die Arbeit übernehmen zu können oder die Familie durch Todesfälle auseinanderbrach und erlosch. In Liebsthal ist jedenfalls beim Einsetzen der Konkener Kirchenbücher (1653/65) kein Gülcher mehr erwähnt, die Familie dort also ausgestorben. Was aus den jüngeren Geschwistern während des 30-jährigen Krieges geworden ist, bleibt bisher leider im Dunkeln. Nachkommen scheinen sie allerdings nicht gehabt zu haben, jedenfalls nicht im Bereich Kusel/Westpfalz, denn dort gehen alle Gülcher/Gilcher-Familien ausnahmslos auf den ältesten Sohn Nickel zurück. Auch von Job Gülcher sind bisher keine Nachkommen bekannt. Es ist allerdings noch nicht untersucht, ob sich die Gülcher damals evtl. noch weiter westlich ins Saarland hinein verbreitet haben.

Eine noch frühere Erwähnung der Gülcher findet sich 1494 im Ort Winsheim (heute Weinsheim bei Worms) im Untertanen-Verzeichnis des kurpfälzischen Oberamts Alzey. Dort heißt es:

"GÜLCHERS Claß MÜLLER Henn und GÜLCHERS Henn sind Bede haftig dem Herrn von Spier. Gülcher Claß hat eine Frau, die hört meinem Herrn dem Pfalzgrafen an".(6)

Interessant, daß auch hier der Vorname Claß (kurz für Niklas) erscheint, genau wie bei dem ersten in Wahnwegen auftauchenden Gülcher und in dessen Nachkommenschaft, wo Nicolaus (Niclas, Nickel) noch über viele Generationen hinweg ein Traditionsvorname der Gilcher bleibt. Obwohl etwa 100 Jahre zwischen beiden Nennungen liegen, ist die räumliche Entfernung nicht zu weit, um eine Verbindung möglich erscheinen zu lassen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß der erste Gülcher, der 1594 von Kriegsfeld kommend nach Mauchenheim heiratete, ebenfalls den Traditionsvornamen Niclaus führte und Sohn wiederum eines Niclas war. Es ist sicherlich kein Zufall, daß fast gleichzeitig nur etwa 50 km von Kriegsfeld entfernt in Wahnwegen und Horschbach genau die gleichen Traditionsvornamen bei den dortigen erstgenannten Gülcher auftauchen.

Wird in der frühen Erwähnung von 1494 gesagt, daß die beiden Gülcher von Weinsheim nach Speyer steuerpflichtig waren, so gibt dies einen Hinweis auf ihre Herkunft, nämlich aus dem Umland der freien Reichsstadt Speyer, das dem "Herren von Speyer", dem Bischof gehörte. Schauen wir in die frühen Kirchenbücher von Speyer, so finden wir dort im 17. Jh. auch noch eine Reihe von Gülcher-Fami1ien (auch Gülch, von Gülchen, von Gülcher), aus deren Reihen einige Juristen am Reichskammergericht Speyer hervorgingen.(7)

Nach alledem scheint es so, als seien die pfälzischen Gülcher aus dem Umland von Jülich zunächst rheinaufwärts in die Speyerer Gegend gezogen und seien von dort allmählich, z.B. durch Heirat über die "Landesgrenzen" hinaus, in das Herrschaftsgebiet der Kurpfalz bzw. ins Zweibrückische gekommen. Wie das Beispiel aus Osthofen zeigt, gab es aber mit Sicherheit mehrere zeitlich versetzte Einwanderungen aus dem Raum Jülich in die Pfalz. Jedoch halte ich nach bisheriger Erkenntnis die Westpfälzer Gülcher für eng verwandt mit denen von Weinsheim, Mauchenheim und Eppelsheim wegen der räumlichen Nähe, wegen der Tradition der Vornamengebung, wegen der Religionszugehörigkeit und auch wegen der Tatsache, daß alle drei Zweige besonders häufig Kirchenälteste und Schultheißen in ihren Gemeinden stellten, Schultheißen z.B. in Mauchenheim, Eppelsheim, Horschbach, Patersbach.

Neben den oben erwähnten alten Vorkommen und den von Nickel Gülcher aus Liebsthal/Wahnwegen abstammenden Westpfälzer Gilcher- Familien gibt es in nicht allzu weiter räumlicher Entfernung noch weitere Gülcher-Vorkommen, die ich noch nicht näher erforscht habe: einmal in und um Klingenmünster und in Trier. Dabei handelt es sich um katholische Familien Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts.

Genealogisch bereits gut dokumentiert ist eine um 1650 von Haan (bei Düsseldorf) zugewanderte calvinistische Gülcher-Familie in Enkirch an der Mosel.(8)

In Godramstein ist bereits mit Einsetzen des dortigen reformierten Kirchenbuchs um 1637 eine evangelische Gülcher-Familie mit Nachkommen bis ins 19.Jh. belegt. Auch in Weißenburg(Elsaß) haben Ende des 17. Jh. Gülcher gelebt.(9) Man beachte auch hier die räumliche Nähe zu Speyer bzw. Godramstein.

Die zahlreichen Amerika-Auswanderer der Westpfälzer Gilcher, deren erster, Thomas Gülcher aus Nerzweiler, schon 1744 mit seinen 6 Kindern und seinem "alten Vater" Jacob (damals immerhin schon 72 Jahre alt!) ins neue Land segelte, schreiben sich in USA heute teils Gilcher, teils Gilger. Eine zweite frühe Amerika-Auswanderung gab es in der Familie 1764, als Theobald Gülcher (Geschwisterenkel zu obigem Thomas Gülcher) mit seiner Frau Elisabeth Catharina Rhein und den zwei überlebenden seiner 6 Kinder von Berschweiler aus "ins neue Land" zog, wie der Pfarrer im reformierten Kirchenbuch Lauterecken notierte. Kurz vor der Ausreise hatte Theobald am 19.02.1764 noch den 11-jährigen Sohn Hans Adam in Lauterecken konfirmieren lassen. Kontakt mit Nachkommen und Nachforschungen im Kirchenbuch der deutschen Gemeinde "St.Michel's and Zion" in Philadelphia haben ergeben, daß auch Theobalds jüngerer Bruder Jacob Gülcher von Berschweiler aus nach Amerika gezogen sein muß (Heirat und erstes Kind dort 1752 und 1753), bevor er Soldat der amerikanischen Revolutionsarmee wurde. Ebenfalls dorthin ausgewandert ist deren Cousine Catharina Gülcher (geb. 1706), die noch in Aschbach 1727 Peter Klein geheiratet hatte und 1749 auf dem Schiff Leslie nach Philadelphia kam.

Auch in Frankreich leben Gilcher-Nachkommen, deren Herkunft aus der Westpfalz erst kürzlich geklärt werden konnte. Der Ahnherr der dortigen "Gilger" (auch "Gilgert" geschrieben), Hans-Peter, war ein reformierter Töpfer in lutheranischem Umfeld. Wegen seines Berufes bzw. seiner Religion war als Herkunft in gedruckten Quellen schon Meißen in Sachsen oder die Schweiz vermutet worden, aber bei der Bearbeitung einer konkreten Anfrage von Henriette Gilger aus Puberg/Elsaß stellte sich heraus, daß ihr Vorfahr der 1681 in Nerzweiler geborene Onkel des Amerika-Auswanderers Theobald Gülcher war. Von diesem elsässischen Töpfer-Zweig aus gab es weitere Auswanderungen nach Amerika und in die Batschka (Sekitsch 1785).

Viele Gilcher-Söhne aus dem Eßwei1er Tal ergriffen später den Beruf eines Musikers und verdienten ihr gutes Geld im europäischen Ausland und in USA, wie die umfangreiche Zusammenstellung der Paßanträge im Musikantenmuseum in der Zehntscheune der Burg Lichtenberg nachweist, oder blieben sogar ganz dort. Allerdings gibt es auch mindestens 3 Fälle aus den Gilcher-Familien, in denen die Musikanten nach ihrer Abreise in die USA für immer verschollen blieben und ihre unversorgten Familien vergeblich auf die Rückkehr warteten.(10)

Fußnoten:

1 Hans Bahlow, Deutsches Familiennamenlexikon, München, 1967.

2 Der Begriff dürfte in dieser Zeit (17.Jh.) in der Pfalz noch eine gewisse Aktualität gehabt haben, da durch den Jülich-Kleveschen Erbfolgestreit Jülich 1614 an die Linie Pfalz-Neuburg der Zweibrücker Herzöge gekommen war.

3 In Nierstein lassen am 17.04.1691 Peter Gülcher, Kirchenältester und Geminsmann zu Eppelsheim und seine Frau Gertruda einen Sohn Andreas taufen (ref. Kirchenbuch Nierstein). Vermutlich ist dies derselbe Peter G., der 1698 in Eppelsheim als Schultheiß amtiert und im Untertanenenverzeichnis von Kilian/Neumer als Peter Gilcher notiert ist.

4 Mitteilung von Dr.Udo Krauthausen in Pfälzisch-Rhein. Familienkunde, Bd.13, S.350.

5 Landesarchiv Speyer, Bestand BIII Nr.1723, Bl.83ff., cit. Nach Hermann Schneider in Pfälzisch-Rheinische Familienkunde, Bd.13, S.350.

6 Kilian/Neumer: Untertanenverzeichnis des kurpfälzischen Oberamtes Alzey, Ludwigshafen 1995, S.87.

7 Vgl. die ausführliche Darstellung in Pfälzische Familien- und Wappenkunde Bd.2 1955, S.156 ff.

Der dort erwähnte Dr.Ludwig Ernst von Gülchen (*17.8.1666) heiratet am 09.05.1691 in Stuttgart eine Maria Dorothea Steck.

8 Vgl. Peter R.Gülicher, Genealogie der protestantischen Familien Gülicher, Jülicher und Gülcher, Multiplikator, Köln 1987, S. 42 ff.

9 Vgl. Mitteilung von Dr.Udo Krauthausen in Pfälz.-Rhein.Familienkunde Bd. 12 1992, S.391.

Nicht berücksichtigt wurden hier die räumlich von der Pfalz weiter entfernten Gülcher-Vorkommen des 17./18.Jh.im Bereich der rheinischen Landeskirche, z.B. in Krefeld, Mettmann, Solingen, Wald Solingen,Laurensberg bei Aachen, Moers, Nuembrecht, Barmen, Benrath, Haan/Düsseldorf, oder in Westfalen, z.B. in Elsey, Wiblingwerde, Harpen, Herne, Castrop oder Horn/Lippe, ebensowenig die in Stuttgart und Baumerlenbach (Jagstkreis/Württemberg) .

Die meisten dieser im Rheinischen, Bergischen und Märkischen verbreiteten Gül(i)cher-Familien sind in der o.a. umfangreichen Arbeit von Peter R. Gülicher gut dokumentiert.

10 Ungeklärt ist z.B. noch der Fall des Musikers Peter Gilcher, Sohn von Peter Gilcher, geb. am 24.04.1868 in Lohnweiler, Heirat am 12.11.1898 in Lohnweiler mit Karolina Kreischer, der 1902 wie üblich für die Saison nach USA ging und verschollen blieb. Vf. wäre für evtl. Hinweise aus USA dankbar, falls sich irgendwo Spuren finden.

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